Informationen zum P23R-Projekt

Der Datenaustausch zwischen Wirtschaft und Verwaltung hat eine ökonomisch relevante Dimension erreicht. Immer wieder müssen Unternehmen für verschiedenste Zwecke Firmen- oder Personaldaten an die Behörden übermitteln: Aufgrund nationaler Gesetze und Verordnungen bestehen aktuell knapp 10.000 Meldepflichten für Unternehmen, was zu jährlichen Bürokratiekosten von über 50 Milliarden Euro auf Seiten der Wirtschaft führt. Über 80% dieser Bürokratiekosten werden von kleinen und mittelständischen Unternehmen getragen.

Aktuell werden diese Informationspflichten auch innerhalb eines Themenbezuges meist isoliert voneinander betrachtet und bearbeitet. Das führt zu Mehrfachaufwänden und erhöht das Fehlerrisiko. Bestehende Systeme zur Vorbereitung und Abwicklung von Informationspflichten gegenüber der Verwaltung müssen zudem häufig angepasst und aktualisiert werden. Wegen dieses Aufwands stehen für zahlreiche Berichtsdomänen keine geeigneten Informationssysteme zur Verfügung, so dass den Informationspflichten manuell nachgekommen werden muss.

Um dieser Problematik entgegenzuwirken, förderte das Bundesministerium des Innern mit dem Projekt "Pilotierung und Realisierung des Prinzips Prozess-Daten-Beschleuniger | P23R für den Datenaustausch zwischen Wirtschaft und Verwaltung" die Entwicklung von Methoden und offenen Standards für eine vernetzte und übergreifende Architektur für den vereinfachten Datenaustausch zwischen Wirtschaft und Verwaltung. Von Juni 2010 bis November 2011 wurde von einem interdisziplinären Projektteam aus Wissenschaft und Praxis an der Entwicklung des P23R-Prinzips und dessen exemplarischer Umsetzung gearbeit

Durch die entwickelten Projektergebnisse, die frei zur Verfügung stehen, wurde eine wissenschaftliche und methodische Grundlage geschaffen, auf die eine nachfolgende Serienentwicklung aufsetzen und der Nachweis der Marktfähigkeit erbracht werden kann. Die produktive Abwicklung erster Meldungen mit P23R und die Einbeziehung weiterer Fachdomänen ist im Jahr 2013 umgesetzt worden.

Vorgeschichte des P23R-Projektes

Nach einem öffentlichen Wettbewerb zum Thema "Entwicklung von Prozessketten zwischen Wirtschaft und Verwaltung", durchgeführt im Rahmen des E-Government 2.0 Programms des Bundes, wurden im Jahr 2008 verschiedene Forschungsaufträge vergeben. Im Vordergrund des Regierungsprogramms E-Government 2.0 standen die qualitative Optimierung und der weitere Ausbau des E-Government-Angebots des Bundes durch möglichst durchgängig elektronische Transaktionsdienstleistungen sowie ein konsequent service- und nutzerorientiertes Angebot. Von 2008 bis 2009 sollten drei Konsortien aus Wissenschaft und Wirtschaft anhand von Machbarkeitsstudien eine Systematik entwickeln, die Datenflüsse und Vorgangsbearbeitungen zwischen Behörden und Unternehmen der Wirtschaft mittels Prozessketten abwickeln. Praxistaugliche Lösungsvorschläge für die Ausgestaltung von Schnittstellen und Übergabepunkten der Daten in den Prozessketten sollten mit wissenschaftlicher Expertise entwickelt werden. Weitere wichtige Faktoren waren Datenschutz und Datensicherheitsaspekte sowie der Routinegrad des Datenaustausches. Ziel war es, innovative Lösungsansätze und ein methodisches Vorgehen zu entwickeln.

Die Studien wurden in drei Auftragslose aufgeteilt:

Los 1: Umwelt

Entwicklung eines übergreifenden Ansatzes einer Prozesskette zu den Informationspflichten im Bereich "Umwelt". Federführung: Technische Universität München, Lehrstuhl für Wirtschaftsinformatik.

Los 2: Finanzdienstleistungen

Entwicklung eines übergreifenden Ansatzes einer Prozesskette zu den Informationspflichten im Bereich "Finanzdienstleistungen". Federführung: Fraunhofer-Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation IAO, Stuttgart.

Los 3: Informations- und Meldepflichten für Arbeitgeber

Entwicklung eines übergreifenden Ansatzes einer Prozesskette zu den Informationspflichten im Bereich "Informations- und Meldepflichten der Arbeitgeber". Federführung Fraunhofer-Institut für Experimentelles Softwareengineering IESE, Kaiserslautern.

Ergebnisse und deren Nutzung

Die Ergebnisse der erstellten Machbarkeitsstudien wurden, um eine einheitliche Gesamtsicht auf die Prozessketten zu entwickeln, in einem Transferprojekt "Transferphase zum Projekt Entwicklung von Prozessketten zwischen Wirtschaft und Verwaltung" zusammengeführt. In weiteren Konsolidierungsschritten wurden Vorschläge für eine fachdomänen- und branchenübergreifende Umsetzung in die Praxis abgeleitet. 

Basierend auf den konsolidierten Ergebnissen der vorangegangenen wissenschaftlichen Studien wurde das P23R-Projekt im Maßnahmenbereich "Zukunftsfähigkeit mit Innovationen" des IT-Investitionsprogramms der Bundesregierung ausgeschrieben. Ziel war es, Grundlagen und Methoden zu entwickeln, die den Datenaustausch zwischen Wirtschaft und Verwaltung einfacher, sicherer und schneller gestalten.

Die Entwicklung des P23R-Prinzips war zudem eines der Modernisierungsprojekte des Regierungsprogramms "Vernetzte und transparente Verwaltung" und bildete einen der Schwerpunkte der AG 3 "IT-basierte öffentliche Dienste in Deutschland - eGovernment" im IT Gipfel-Prozess.